Transporttechnologie: Innovation durch Sensorik und Aktorik

TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

In Deutschland — und vielleicht auch weltweit — kennt Sie heute jedes Kind: Die gerade vom Bund ausgezeichneten Gründer und Entwickler des Corona-Impfstoffes des Unternehmens BioNTec. Vor einem Jahr war dies noch nicht der Fall. Damals gehörten Sie zu den unbekannten Gründern in Deutschland. Tatsächlich waren sie ein Unternehmen von vielen, welches als Einzelerfinder ein Patent angemeldet hat. Insgesamt gab es in 2020 25.954 Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt. Damit werden deutsche Firmen in dieser Statistik nur von den Vereinigten Staaten geschlagen, die im gleichen Zeitraum 44.293 Anmeldungen verzeichneten. Auf Platz 3 und 4 folgen Japan (21.841) und China (13.432). Gerade Erfindungen im Gesundheitswesen waren für die starken Zahlen verantwortlich: Die Medizintechnik war hinsichtlich der Anmeldezahlen sehr aktiv und die Bereiche Arzneimittel (+10,2 Prozent) und Biotechnologie (+6,3 Prozent) zeigten die größten Zunahmen.

Auch die Positionen deutscher Firmen in den Rankings machen eine starke Aktivität deutlich. Im Bereich Transporttechnologie beispielsweise steht Continental auf dem Spitzenplatz. Außerdem sind in den Top-Ten Siemens, Bosch und Volkswagen zu finden. Aber auch Start-Ups sind in diesem Bereich sehr umtriebig. Das junge Unternehmen Cellumation GmbH aus Bremen überdenkt mit ihren Ideen klassische Förderbänder, die in der modernen Fertigung einen “bottle-neck” darstellen. Zu wenig flexible und zu sperrig sind die traditionellen Transportmöglichkeiten. Das Unternehmen baut stattdessen auf dem Kopf stehende hexagonale Einheiten mit elektrisch angetriebenen, omnidirektionalen Rädern. Mehrere dieser Module zusammengesteckt bilden einen Tisch, auf dem sich Pakete über die Rollen wie von Geisterhand in alle Richtungen bewegen. Gesteuert wird es von einer Software, die über die am Tisch angebrachten Kameras seine Befehle an die Rollen weitergibt. Das Fördersystem kommt unter anderem bei den Paketdienstleistern zum Einsatz. Fahrer entladen dort die Pakete durcheinander auf den modernen Tisch. Dieser übernimmt dann das Ordnen bzw. Sortieren.

Das Unternehmen Werksrevolution aus München beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Kommissionieren von Pakten und Teilen. Gerade in der Automobilindustrie muss an einzelnen Montagestationen der Fließbandfertigung, die zeitlich aufeinander abgestimmt sind, jeder Handgriff sitzen. Gerade wenn Mitarbeiter zwischen verschiedenen Positionen wechseln, kann es dabei zu Fehlbestückungen kommen. Dagegen arbeitet das Pick-by-light System der Münchner. Damit kann der Mitarbeiter das korrekte Teil über eine Lichtcodierung erkennen. LEDs leuchten über dem passenden Teil und weisen den Weg. Besonders im E-Commerce oder bei den Paketzustellern ließe sich das System effektiv einsetzen.

Neben dem inkorrekten Picking von Gegenständen, ist insbesondere der Schwund von Teilen und Lieferungen in der Industrie eine große Herausforderung. Bis zu 20 Prozent Schwundrate von Behältern, Racks oder Paletten ist in der Industrie keine Seltenheit. Dafür entwickelt das Münchner Unternehmen Box ID Systems ihre Tracker, die über eine Cloudsoftware den Standort der Ware beschreiben. Die etwa 2 Euro teure Sensorik wird an die zu trackenden Dinge angebracht. Über Funk oder WLAN Hotspots erfolgt dann die Meldung an die Zentrale.

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

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Beiträge von Dr. Michael W. Preikschas & Dr. Michael Schuricht zu Trends und innovativen Geschäftsideen

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