Spracherkennung: Zero-Click-Bestellungen

TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

Digitale Sprachassistenten verbreiten sich immer mehr in den Haushalten. Bereits 45 Prozent der Deutschen nutzen die intelligenten Helfer; im letzten Jahr waren es noch 32 Prozent (www.presseportal.de). Vor allem bei den reiferen Internetnutzern (über 40 Jahre alt) legte die Sprachsteuerungen stark zu. Hier stieg die Verwendung von vormals (2019) 25 Prozent auf 38 Prozent. Kaum verwunderlich, da diese Generation mit der Sprache — und weniger mit scrollen und wischen — aufgewachsen ist. Deutlich interessanter ist daher, dass nun auch die Digital Natives die Sprachassistenz für sich gefunden hat. Im Jahr 2020 nutzen 59 Prozent der unter 40-jährigen ihre Unterstützung. In 2019 waren es noch 48 Prozent. Am häufigsten verwenden die Deutschen den Google Assistant (23 Prozent). Zugelegt hat Amazons Echo-Lautsprecher mit Alexa (18 Prozent), der in diesem Jahr Apples Siri auf Platz drei verdrängt (15 Prozent). Überdurchschnittlich häufig werden Sprachsteuerungen in großen Familien mit vier und mehr Mitgliedern verwendet (59 Prozent). Dagegen sprechen nur 37 Prozent der Single-Haushalte mit den digitalen Helfern.

Der New Yorker Marketing Professor Scott Galloway spricht in seinem neuesten Buch (“Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“) von der Spracherkennung als disruptivste Technologie für die nächsten zehn Jahre. Die Sprachsteuerung im Fall des Amazon Konzerns wird zukünftig nicht nur passiv agieren, sondern durchaus auch aktiv. Ziel ist die Zero-Click-Bestellung durch die Sprache. Dabei wird die Computersprache den Nutzer nur noch informieren, dass fehlende Produkte wie Eier, Milch oder Bier nachbestellt wurden. Der Konzern kennt die Kaufhistorie des Kunden und wird automatisch die Order einleiten. Wenn ein Nutzer zusätzlich digitale Kalendereinträge verwendet — beispielsweise „Party mit den Nachbarn“ — kann die künstliche Intelligenz den Einkauf selbstständig durchführen und die Amazon-eigenen Mitarbeiter liefern die Ware. Dabei wird natürlich berücksichtigt welche Essensgewohnheiten die einzelnen Personen haben. Ein Computer vergisst nie.

Nicht schwer vorherzusagen ist auch Amazons Einstieg in den Gesundheitsbereich. Der Amazon Echo ermöglicht zum Beispiel die Aufnahme einer Hautkrankheit. Danach wird aus einer Ärzte-Liste, in der zahlende Dermatologen aufgenommen wurden, der passende Gesprächspartner ausgewählt und via Telemedizin eine Diagnose gestellt. Danach wird automatisch eine Bestellung und Lieferung der idealen Salbe ausgelöst. Größter Kundenvorteil liegt dabei eindeutig auf der Zeitersparnis. Neben dieser Hautkrankheit wird die Amazon Intelligenz auch den Body-Mass-Index kennen. Beispielsweise über die gekauften Lebensmittel oder Kleidergrößen. Dies würde dann auch den Versicherungen nicht unbekannt bleiben. Amazon wird günstige Krankenversicherungen für besonders gesunde Menschen anbieten. Schlecht für die chronisch Kranken.

Das Sprache ein entscheidender Erfolgsfaktor — beispielsweise auf der Karriereleiter — ist, hat auch das junge Aachener Unternehmen Precire (precire.com) erkannt. Das Unternehmen nutzt Anwendungen aus der Informatik und KI-Forschung, um psychologische Merkmale aus Sprache zu erkennen. Sprache hat eine unmittelbare Verbindung zu den Gedanken und macht einen großen Teil des alltäglichen Verhaltens aus. Mit dieser Technologie, haben Nutzer die Chance nachhaltiger zu kommunizieren. Dies könnte Probleme lösen oder zumindest weniger Angriffsfläche bieten. Selbst für die Sprachsteuerung könnte die Analyse von Sprachnuancen durchaus hilfreich sein.

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

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