New Work Technology: Trends und Hypes für den digitalen Arbeitsplatz

Autor: Dr. Michael Schuricht

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Die Arbeitswelt befindet sich mitten in einer grundlegenden Transformation. Unter dem Schlagwort New Work werden Prozesse, Abläufe und manchmal sogar Organisationstrukturen neu gedacht. Starre Hierarchien werden aufgebrochen, Mitarbeitern wird mehr Raum für Selbstständigkeit, Teilhabe und Individualität eingeräumt.

COVID-19 hat für viele Unternehmen hier wie ein Brennglas, ein Brandbeschleuniger für neue Entwicklungen gewirkt. Wo früher das “Homeoffice” noch eine Ausnahme war, werden heute vielfältige Lösungen geschaffen, um remote - aus der Ferne oder von daheim - agil mit Kollegen oder Kunden zu interagieren. IT-Portfolios werden um New Work Anwendungen erweitert und digitale Arbeitsplätze werden ausgebaut.

Und auch viele Wissensarbeiter in Deutschland haben keine Angst vor Veränderung. Wie eine Studie von Adobe/Statista zeigt hat ein Großteil von ihnen bereits positive Erfahrungen mit digitalen Technologien am Arbeitsplatz gemacht. 56 Prozent bestätigen sogar, dass der technologischer Fortschritt Zeit spart und den Büroalltag erheblich vereinfacht hat.

Mehr Freiraum für Mitarbeiter dank technologischem Fortschritt: Auch die Art der Tätigkeit verbessert sich durch den Einsatz digitaler Technologien. Bis zu 25 Stunden pro Woche verbringt ein Wissensarbeiter mit unkreativen, sich wiederholenden Tätigkeiten, wie drucken, scannen oder Mailversand. Digitale Tools helfen Abläufe zu verschlanken und zu automatisieren. In vielen Fällen werden repetitive Tätigkeit ganz eliminiert und es wird Raum für kreative Tätigkeiten freigemacht.

Verbesserte Customer Experience: 65 Prozent der von Adobe/Statista befragten Arbeitnehmer stellten auch für die Kunden positive Effekte fest. Besonders im Banken-, Finanz- und Versicherungsbereich verbessert sich die Customer Experience durch den Einsatz digitaler Technologien in Verwaltungsprozessen stark. So werden beispielsweise komplexe Bearbeitungsprozesse, wie Kreditanfragen, durch die Verwendung von elektronischen Signaturen von Wochen auf wenige Tage verkürzen.

Doch welche Bereiche haben sich in den letzten Monaten besonders stark entwickelt? Welche neuen Technologien haben das größte Potential? Und was kommt in Zukunft noch auf uns zu?

Trends und Hypes

Quelle: https://www.gartner.com/smarterwithgartner/6-trends-on-the-gartner-hype-cycle-for-the-digital-workplace-2020/

Das Beratungsunternehmen Gartner versucht diese Fragen zu beantworten. Mit Hilfe des oben dargestellten Hype Cycle für den digitalen Arbeitsplatz zeigt es auf, welche Technologie im Moment die größte Aufmerksamkeit erfährt. Vier Trends kommen laut Gartner dabei besondere Bedeutung zu:

New Work Nucleus

Der “New Work Nucleus” versteht sich als Sammlung von SaaS-basierten Produktivitäts-, Kollaborations- und Kommunikationstools, die in einem Cloud-Office-Produkt kombiniert werden. So umfasst es u.a. E-Mail, Instant Messaging, Dokumentenmanagement und gemeinsame Dokumentenbearbeitung sowie Datenbereitstellung, Aufgaben- und Projektmanagement.

Der “New Work Nucleus” ist der Eckpfeiler des digitalen Arbeitsplatzes. Als Cloud-Technologie ist er flexibel an die Bedürfnisse agiler Teams anpassbar. Er ist nicht an eine bestimmte Geräteinfrastruktur gebunden, sondern funktioniert überall, auch remote.

Die Anbieter solche Cloud-Dienste stelle kontinuierliche neue Funktionen bereits. So werden im Moment beispielsweise durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz die Möglichkeiten zur Automatisierung bestimmter Abläufe massiv ausgebaut.

Beispiel: Ein Packet und viele Anwendungen (die vielleicht noch nicht jeder kennt)

Office365 ist vielleicht der bekannteste “New Work Nucleus”. Im Paket bietet es eine Vielzahl von Produktivitäts- und Kollaborationsanwendungen, über die klassische Anwendungen (wie Excel und PowerPoint) hinaus.

Weitere Informationen unter: https://www.office.com/

Smart Workspaces

Auch das physische Arbeitsumfeld wird zunehmend digital. “Smart Workspaces” nutzen die zunehmende Digitalisierung physischer Objekte, um neue Arbeitsweisen zu ermöglichen und die Effizienz der Mitarbeiter zu verbessern. Beispiele für Smart Workspace-Technologien sind IoT, Digital Signage, integrierte Arbeitsplatzmanagementsysteme, virtuelle Arbeitsbereiche, Bewegungssensoren und Gesichtserkennung. Jeder Ort, an dem Menschen arbeiten, kann ein “Smart Workspace” sein, so auch Bürogebäude, Schreibtische, Konferenzräume und sogar Wohnräume.

Die Entwicklung von digitalen “Smart Workspaces” geht einher mit der Entstehung neuer Raumkonzepte. Der klassische Schreibtisch wird darin die Ausnahme, nicht mehr die Regel, sein. Moderne Workspaces bieten unterschiedliche Raumkonzepte an. Für Recherchen oder Textarbeit gibt es einen Stillarbeitsbereich, für Sprints oder Meetings gibt es einen Teambereich und für den Austausch werden vielfältige Sozialräume bereitgestellt. In modernen, kreativen Workspaces arbeiten Kreative gemeinsam mit kleinere Startups oder digitale Nomaden zusammen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Sie agieren unabhängig voneinander und in unterschiedlichen Unternehmen, können aber auch gemeinsam Projekte verwirklichen und auf diese Weise neue Mitstreiter akquirieren.

Beispiel: Sensoren helfen bei der Suche nach einem freien Schreibtischplatz

Freespace ist ein intelligentes Raummanagementsystem. Kleine Sensoren optimieren die Auslastung von Bürogebäuden. Mitarbeitern helfen sie einen freien Arbeitsplatz zu finden und ggf. zu diesem hin zu navigieren.

Weitere Infos unter: https://www.bos.com/products/technology/freespace/

Distance Economy

Live Veranstaltungen vor Ort und persönliche Treffen waren früher die Regel, virtuelle Meetings die Ausnahme. COVID-19 hat dies umgekehrt. Die Pandemie hat zur Entstehung einer “Distance Economy” geführt. Treffen werden virtualisiert, Geschäftsmodelle die auf persönlichen Kontakt angewiesen sind, umgebaut. Der steigende Bedarf an virtuellen Lösungen hat eine neue Generation von Besprechungslösungen hervorgebracht. Diese versuchen den Rahmen einer persönliche Besprechung durch neue Formate, Moderation oder virtuelle Umgebungen nachzuahmen.

Beispiel: Arbeiten in der virtuellen Realität

Durch die zunehmende Verbreitung von AR/VR-Technik, wird das virtuelle Zusammenarbeit an physischen Objekten (in sog. Immersive Workspaces) interessant. Der VR-Riese Oculus bietet mit Spatial einen eigens dafür entwickelten 3D-Arbeitsbereich an. Dort ermöglicht es Teams Ideen aus der Ferne zu visualisieren, zu organisieren und zusammenzuführen.

Weitere Informationen unter: https://spatial.io/

Democratized Technology Services

Die Software- und vielleicht auch die Hardware-Anwendungen der Zukunft werden nicht mehr in IT-Abteilungen und Softwareschmieden entstehen. Sie werden von den Menschen entwickelt, die sie auch verwenden wollen.

Mit Hilfe von low-code/no-code Plattformen entwickeln Citizen Developer hoch spezialisierte Geschäftsanwendungen ohne eine Zeile Code. Dabei greifen sie auf umfangreiche Datenbestände im Knowledge Graph des Unternehmens zurück, lassen Schnittstellen entstehen oder automatisieren Prozesse per Drag-and-Drop.

In der Citizen Data Science, nutzen sie intuitiv zu verwendende Statistik-Tools um große Datenmengen zu analysieren. So decken sie Muster auf und bereiten Entscheidungen datenbasiert vor.

Beispiel: Ohne Programmierkenntnisse Apps und kleine Dienstprogramme entwickeln

In No-Code-Umgebungen kann man nicht nur klassische Business-Anwendungen entwickeln. Voiceflow bietet beispielsweise die Möglichkeit in wenigen Schritten, per Drag-and-Drop, ganz eigene, individuelle Skills für Alexa oder andere sprachgesteuerte Assistenten zu erstellen.

Weitere Informationen unter: https://www.voiceflow.com/

Stichworte

#NewWorkTech #SmartWorkspace #DistanceEconomy #Arbeitswelt4.0

Hinweis zur Praxisrelevanz

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

Beiträge von Dr. Michael W. Preikschas & Dr. Michael Schuricht zu Trends und innovativen Geschäftsideen

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