Gen Z Tourismus: Neue Pfade für Urlauber

InnovationsRadar
3 min readOct 6, 2019

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TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

Die Digitalisierung verändert auch die Prozesse in der Touristik. Wie die Reiseanalyse 2019 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) aufzeigt, wurden 2018 mit 42% erstmals mehr lange Urlaubsreisen (+5 Tage) online gebucht als im persönlichen Gespräch (40%) (reiseanalyse.de/wp-content/uploads/2019/03/RA2019_Erste-Ergebnisse_DE.pdf). Auch bei den Kurzurlaubsreisen stieg der Einsatz von digitalen Kanälen von 77% auf 80%. Dies kennzeichnet einen Meilenstein im langfristigen, durch Digitalisierung getriebenen Strukturwandel bei der Urlaubsbuchung.

Treibend für diese Veränderung sind zusätzlich die Wünsche und Ansprüche der „Digital Natives“. Der in Großbritannien ansässige Reiseveranstalter Holiday Place veröffentlichte vor Kurzem einen Generation Z Travel Index (https://www.traveldailymedia.com/generation-z-travel-index/), indem die Kriterien zusammengefasst werden, welche für die nach 2000 geborenen Reisenden wichtig sind. Wenig überraschend werden darin vor allem die Konnektivität mit dem Internet sowie die Verbindung zu Instagram sehr hoch bewertet und gelten als „Must-Have“. Darüber hinaus werden als wichtig bewertet: Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen, individuelle Reiseziele mit geringem Touristenanteil sowie günstiges Reisen.

Diese Kenntnisse sind für zahlreiche Start-ups Initialzündung, um daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Ganz besonderes Interesse wecken Reisen, die eigentlich als sehr beratungsintensiv gelten, wie beispielsweise der Kreuzfahrsektor. Bisher gab es kaum Anwendungen, die den zu erklärenden Content in einem digitalen Format abbildeten. Nun finden sich einige Start-ups, die sich diesem Thema annehmen, wie beispielsweise Meine Landausflüge (www.meine-landausfluege.de), die Buchungs- und Informationsplattform für individuelle Kreuzfahrtausflüge, oder Cruisewatch (www.cruisewatch.com), welches mithilfe von künstliches Intelligenz die Auswahl der passenden Seereise erleichtern will.

Gerade die Individualisierung ist eines der großen Themen für die Generation Z und damit für junge Unternehmen. Dabei ist es eine Herausforderung individuelle Themen online darzustellen. Zum Beispiel das Start-up Mr.Trip (www.mistertrip.de) versucht dies über eine Vielzahl von Vor-Ort-Experten, die Reisen für jeden Kunden individuell zusammenstellen. Dazu baut Mr.Trip vor allem auf das Thema Sicherheit. Jeder lokale Experte wird „handverlesen“ ausgewählt und damit gewährleistet, dass sich die Reise dann tatsächlich zu einem einzigartigen Erlebnis entwickelt.

Das Start-up Unplanned (www.unplanned.de) hatte mit seiner “Boutique Blind Booking” eine innovative Geschäftsidee und nimmt dem Touristen die Reiseplanung ab. Allerdings werden hier nicht, wie von den sonstigen Pauschalreisen bekannt, einfach Flug und Hotel miteinander kombiniert, sondern die Reisenden werden mit einem Paket überrascht, welches nach den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen zusammengestellt wurde. Dafür füllt der Urlauber einen Fragebogen aus, bei dem beispielsweise Reisebudget, Abreisedatum oder Reisemotto erfragt werden. Drei Tage vor der Reise bekommt der Reisende eine Information zum Flughafen und erhält dort am Abreisetag einen Überraschungsumschlag mit dem Reiseziel. Dazu gibt es ein personalisiertes Travelbook.

Auch die Nachhaltigkeit liegt im Trend, denn in Zeiten der Klimaschutzdiskussion überlegen viele Urlauber auch die Reisen “grüner” zu gestalten. Das Startup Bookitgreen (bookitgreen.com) hat eine Buchungsplattform für umweltbewußtes Reisen entwickelt. Unter dem Motto #samebutgreen listet das Unternehmen nachhaltige Unterkünfte aus der ganzen Welt und ermöglicht Nutzern über eine einfache Filterfunktion ein Ranking nach dem Grad der Nachhaltigkeit. Dieser Ansatz soll den heutigen Dschungel an unterschiedlichsten Qualitätssiegeln entzerren.

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

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Beiträge von Dr. Michael W. Preikschas & Dr. Michael Schuricht zu Trends und innovativen Geschäftsideen