Energieträger: ..und täglich grüßt der Wasserstoff

InnovationsRadar
3 min readSep 13, 2020

TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

Die etwas älteren Leser werden sich wundern. Wieder ist die Rede vom Durchbruch einer Technologie, die Aufgrund ihrer Möglichkeiten schon sehr oft als die optimale Energiequelle gepriesen wurde. Beispielsweise in den 1970er Jahren — der Zeit der Ölkrise — und in den 1990er Jahren — dem Beginn der Klimadebatte. Durchgehend war der Wunsch bei der Energieerzeugung die Kohlenwasserstoffe durch eine reine Form das Wasserstoffs zu ersetzen. Die Rede ist vom Brennstoffzellenantrieb oder dem generellen Einsatz von Wasserstoff als Energieträger. Und diese Technologie hat natürlich auch heute noch die schon bekannten Potenziale. Beispielsweise, dass der Strom für den Elektroantrieb direkt im Fahrzeug erzeugt wird oder als Abgase nur Wasserdampf in die Umwelt abgegeben wird.

Neben den PKW-Herstellern Hyundai und Toyota wird vor allem im gewerblichen Transportbereich eine Weiterentwicklung des Brennstoffzellenantriebs erwartet. Diesen verspricht nun das amerikanische Unternehmen Nikola (nikolamotor.com) und stellt seinen Wasserstoff-LKW für den europäischen Markt vor. Mit dabei ist der LKW-Bauer IVECO, in dessen Ulmer Produktion die Zugmaschine ab dem nächsten Jahr vom Band laufen soll. Dieser Zeitplan kann aber durchaus bezweifelt werden. Der Volkswagen Konzern (MAN, Scania) berichtet über einen Start des Verkaufs von LKW nicht in den nächsten 15 Jahren. Beim Wasserstoffpionier Daimler sollen die ersten Fahrzeuge frühestens 2029 marktreif sein. Hindernisse sind weniger die Fahrzeuge. Vielmehr das Henne-Ei-Problem der Infrastruktur — von 74 Wasserstofftankstellen — in Deutschland macht dem kommerziellen Betrieb zu schaffen. Keine dieser Zapfanlagen, ist aktuell für LKW zu nutzen. Darüber hinaus ist die preisliche Situation eher ein Nebenschauplatz. Die Fakten: Ein Diesel LKW ist aktuell für etwa 100.000 Euro zu haben, ein vergleichbares Modell mit Wasserstoffantrieb wird es kaum unter 300.000 Euro geben. Ähnlich eindeutig ist der Unterschied beim Treibstoff, denn 30 Euro auf 100 Kilometer ist der Status beim Diesel, etwa 100 Euro kostet der Wasserstoff für die gleiche Distanz.

Wasserstoff bietet aber noch mindestens eine weitere Einsatzmöglichkeit, denn vorstellbar ist auch die Verbrennung. Hier könnte der Wasserstoff die Gastherme ersetzen. Der große Vorteil ist eine bereits vorhandene Gas-Infrastruktur zum späteren Transport des H2 in Pipelines. In mehreren Ländern (z.B. Deutschland, Großbritannien oder Australien) wird aktuell an dieser Idee geforscht. Aktuell laufen beispielsweise in England Feldversuche, um 20 Prozent Wasserstoff in herkömmliches Natural Gas zu mischen. Auf diese Art brauchen keine Modifikationen an Netz oder Therme vorgenommen zu werden. Dennoch sind die Hersteller von Boilern auf der Insel bereits dabei, sogenannte „hydrogen-ready“ Produkte auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen Worcester Bosch (www.worcester-bosch.co.uk) zum Beispiel stellte nun einen Boiler vor, der sowohl Natural Gas als auch Wasserstoff verbrennen kann. Die Elektronik macht es möglich. (news/worcester-bosch)

Alle 10 bis 15 Jahre werden Boiler im Schnitt ersetzt. Dies lässt darauf schließen, dass die Hersteller in weniger als zehn Jahren mit einer Umstellung rechnen. Für Deutschland sagte der EWE Konzern allein für Bremen und Niedersachen eine Erneuerung des Wasserstoffnetzwerkes mit 1200 km Pipelines voraus. Ziel zur Vollendung dieses Projektes ist das Jahr 2030. Geplante Kosten sind 660 Millionen Euro

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