Cloud Gaming: Gesellschaftsspiele to go

InnovationsRadar
3 min readAug 25, 2019

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TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

Die Spieleindustrie hat eine neue Zeitrechnung erreicht. Das sogenannte Cloud Gaming ermöglicht den Spielern das „streamen“ von Spielen, vergleichbar dem Angebot von Netflix bei Spielfilmen und Serien, ohne diese als Software auf der Hardware installieren zu müssen. Dabei wird ein mit der Cloud verbundener PC (Cloud Computing) mit den Vorzügen eines Streaming Abonnements auf die Spiele zusammengführt. Für den Kunden bedeutet dies beispielsweise eine Reduzierung von eigener Rechnerleistung oder Speicherplatz durch das Cloud Computing, kombiniert mit dem Verzicht auf den physischen Kauf von Spielen. Denn durch das Streaming Abo wird nur bezahlt, wenn auch tatsächlich gespielt wird.

Die große Herausforderung bei dieser Technologie liegt aber in der Datenübertragung. Im Spielebereich kommt es auf Bruchteile von Sekunden an, die über gewinnen oder verlieren entscheiden. Da kann das kurze Ruckeln im Bild, was bei Netflix Filmen kaum ins Gewicht fällt, eine über Stunden aufgebaute virtuelle Fußballer-Karriere zerstören und extremen Spielerfrust auslösen. Apropos Netflix: Ein Buffer (Zwischenspeicher), wie es der Streamingdienst nutzt ist im Onlinespiel nicht denkbar. Denn bei aktuellen Multiplayer Spielen (z.B. Fortnight) spielen 100 Spieler gleichzeitig ein Spiel und verändern die Oberfläche in Echtzeit. Die Herausforderungen sind deutlich. Allerdings auch die Chancen. Denn wie auch schon in anderen Technologiefeldern (z.B. Virtual Reality, 3D Technologie, E-Learning) scheint die Spielebranche prädestiniert als Vorreiter. Viel Geld steckt in Branchen, denen durch diese Kenntnisse die Türen geöffnet würden. Beispielsweise Virtual-Reality-Simulationen aus der Cloud oder Fernoperationen in Krankenhäusern scheinen mit diesem Wissen verlässlich denkbar. Dies haben auch die großen Player verstanden und forschen in diese Richtung. Ob Google (Stadia), Microsoft (XCloud), Sony (PlaystaytionNow) oder Apple (Arcade). Alle versuchen über diese Technologie andere Branchen von ihrem Können im Bereich der Cloud Dienste zu überzeugen.

Dabei ist allein der Blick auf die Umsätze im Spielebereich berauschend. Die Branche wird in 2019 einen Umsatz von 152 Milliarden US-Dollar umsetzen. Dabei machen die Smartphone/Tablet Spiele schon heute mit 45% den Löwenanteil aus. Die Spielekonsolen entsprechen 32% und die PC-Spiele 23% des Jahresumsatzes (https://resources.newzoo.com/hubfs/Newzoo_Cloud_Gaming_Report.pdf). Für die Spielebegeisterten wird derjenige Anbieter das Rennen im Cloud Gaming machen, der auf der einen Seite die größte Auswahl an Spielen anbieten kann (ähnlich dem Kampf zwischen Netflix und Amazon Prime bei den Videos) aber andererseits auch die Technik richtig umzusetzen weiß. Im Gegensatz zu Netflix (benötigt 24 Bilder je Sekunde für ein Video) werden Datenmengen von 60 Bildern pro Sekunde in 4K (vierfach HD) benötigt. Dazu müssen die Verzögerungen (- oder auch Latenzzeiten) unter 100 Millisekunden liegen, damit ein Spiel fließendes möglich ist.

Die Back-end cloud Infrastruktur kann einerseits von einem auf Spiele spezialisierten Anbieter bereitgestellt werden (z.B. NVIDIA, Shadow) oder von einem typischen cloud provider wie beispielsweise Amazon Web Services (AWS), Google Cloud, Microsoft Azure etc. Dabei wird das “Gaming on Demand” von Herstellern der Spiele, Herausgebern oder Konsolenanbietern (z.B. Liquidsky, Vortex) offeriert. Gewöhnlich werden Abonnements in einem Paket aus Spiel und Gaming Rig (Konsole, Steuerung) angeboten.

Bei den Gaming Rigs sind für Spieler besonders die Smartphones interessant. Asus (asus.com) hat mit dem ROG Phone II ein spezielles Smartphone für den Spielemarkt entwickelt. Besonders attraktiv für Spieler ist der Bildschirm, der bis zu 120 Bilder/s mit hohem Dynamikumfang (HDR) darstellen kann. Hinzu kommt zahlreiches Zubehör, etwa das Twinview Dock II, das einen zusätzlichen Bildschirm inklusive eines eigenen Akkus bietet. So können beispielsweise der Gruppenchat oder Optionen zum Livestreaming eingeblendet werden.

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

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Beiträge von Dr. Michael W. Preikschas & Dr. Michael Schuricht zu Trends und innovativen Geschäftsideen