Algorithmisierung: Die normativen Auswirkungen der KI

TEXT: Dr. Michael W. Preikschas

Eine Verhaltenssteuerung ist das Ziel von Rechtsgesetzen. Viele Algorithmen, die heute in der Praxis eingesetzt werden, versuchen auch das Verhalten der Konsumenten zu lenken. Dies aber auf eine subtilere Art, beispielsweise auf Onlineportalen. Hier werden die Kunden mit den Angeboten regelrecht „gestalkt“. Der Unterschied liegt darin, dass liberale Verfassungssystem auf einem starken Autonomieverständnis beruhen. Es wird also davon ausgegangen, dass Menschen frei handeln und jederzeit Meinung und Verhalten ändern können. Algorithmen dagegen gehen häufig von beobachtbaren Gesetzmäßigkeiten menschlichen Handelns aus — sie lernen, Muster zu erkennen. Algorithmische Verhaltenssteuerung stellt das wahrscheinliche Handeln von Menschen in den Mittelpunkt, nicht das unerwartbare oder neue. Sie normalisieren Handeln, Wahrnehmung und Kommunikation. Insofern wird algorithmische Normalisierung zu einem Wert und tritt damit in eine Art normative Konkurrenz zu unserem verfassten Autonomieverständnis. (Vergl. Müller-Mall)

Frau Prof. Müller-Mall beschäftigt sich an der TU Dresden mit der Frage, welche Aufgaben wir in Zukunft an KI übertragen sollten. Die Algorithmen haben nach ihrer Meinung eine politische Dimension. Denn die Algorithmen sind nicht neutral oder objektiv und gehen von Annahmen aus, die Wertungen enthalten: Etwas das ein Tweet, der viele Reaktionen hervorruft, relevanter ist als andere. Oder im Falle eines Kredit-Scorings, ob die Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Menschen eher mit seiner sozialen Umgebung, mit seinem Wohnort als mit der individuellen Lebenssituation zusammenhängt. Indem Algorithmen solche Annahemen verarbeiten und über ihre Anwendungen in soziale Zusammenhänge einschreiben, wirken sie selbst normativ. KI-Technologien machen nicht nur Vorschläge, wie wir zwischenmenschliche Beziehungen organisieren könnten, sondern sie gestalten mit und bringen ihre Bewertung als normative Grundierung in unser Handeln ein.

Ein Beispiel für die normative Tendenz von KI-Technologie sind Chatbots. Diese haben sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Heute sind die Sprechroboter in der Lage, hochkomplexen Gesprächen zu folgen und angemessen darauf zu reagieren. Sie erzählen beispielsweise nicht nur Witze, sondern bringen Menschen zum Lachen. Anstatt nur Fakten zu referieren, zeigen sie Empathie. So wirken sie nicht nur menschlicher, sondern können bei psychischen Problemen helfen. Daraus resultieren Onlineinterventionen wie Videotherapie, komplett automatisierte Mental-Health Apps und Anwendungen, die die Stimmung tracken. Damit lassen sich komplette Therapieansätze erschaffen. Ein Beispiel dafür ist Woebot, ein Chatbot, der mit psychologischem Hintergrund konzipiert wurde und ein niederschwelliges Hilfsangebot sein soll. Was Nutzer an solchen Chatbots schätzen, ist die ständige Verfügbarkeit. Der Bot antwortet immer sofort und sorgt sich um seinen Nutzer. Gerade darin liegt der Kern wie Algorithmen normativ wirken. Sie beeinflussen wie wir wahrnehmen, kommunizieren und handeln.

Wichtig bei dieser Diskussion ist die generelle Akzeptanz der KI-Anwendungen, beispielsweise den Therapie-Bots. Gerade bei den jüngeren Nutzern wächst der Zuspruch für diese Apps. So ergab eine Studie des IT-Anbieters Kaspersky unter 16- bis 30- jährigen, dass die Etablierung der Technologie im Alltag für 43 Prozent eine Wunschvorstellung ist — und nur für sieben Prozent ein Horrorszenario. Jeder vierte Befragte könnte sich gar vorstellen, sich in eine KI zu verlieben. (Kaspersky Studie)

Innovatoren erreichen mehr Umsatz und Gewinn, neue Kunden und Märkte. Trends früh erkennen, daraus Bedürfnisse richtig und rechtzeitig ableiten, neue Lösungen zum Erfolg entwickeln — das ist ihr Geschäft. Sie arbeiten intern im Netzwerk und extern mit Partnern. Marketing und Vertrieb sind früh eingebunden. Innovationen beginnen mit Ideen und gelingen durch strukturiertes Management.

#Algorithmisierung #KünstlicheIntelligenz #TherapieBot #Ethik

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